Langsam wird es ernst. Hinter dem SV Beckdorf liegen intensive Wochen der Vorbereitung. Auf die Mannschaft von Trainer Robert Frahm und Co-Trainer Skaven Ottens wartet eine Regionalliga-Saison, die einiges zu bieten hat. Am 5. September fällt für Beckys Patrouille der Startschuss. Zum Auftakt geht es auswärts zum TV Cloppenburg.
Bevor dort erstmals wieder um Punkte gespielt wird, lohnt sich ein Blick auf das Teilnehmerfeld. Drei Absteiger aus der 3. Liga, zwei ambitionierte Aufsteiger und zahlreiche etablierte Regionalligisten sorgen dafür, dass die Solarservice Norddeutschland Regionalliga Niedersachsen in der Saison 2026/27 noch einmal an Qualität gewonnen hat.
Platz 5 statt Abstiegskampf
Die vergangene Saison beendete der SVB auf einem starken fünften Tabellenplatz. Vor allem der gute Start half der Mannschaft dabei, früh Selbstvertrauen und ein gewisses Selbstverständnis zu entwickeln. Auch enge Spiele konnte Beckdorf immer wieder auf seine Seite ziehen und sich dadurch über weite Strecken in der oberen Tabellenhälfte festsetzen. Dass sich daraus für die neue Saison kein Anspruch auf eine ähnliche Platzierung ableiten lässt, ist allen Beteiligten bewusst. Dafür ist die Leistungsdichte zu hoch und die Konkurrenz zu stark.
Gerade zwischen dem oberen und unteren Mittelfeld dürften oftmals nur Kleinigkeiten entscheiden. Wer zwei oder drei dieser engen Begegnungen gewinnt, kann schnell einige Plätze nach oben klettern. Wer sie verliert, muss den Blick genauso schnell in die andere Richtung richten.
Drei Drittliga-Absteiger verstärken das Teilnehmerfeld
Besonders prominent sind die drei Mannschaften, die aus der 3. Liga in die Regionalliga zurückkehren. Mit dem TV Bissendorf-Holte, den Sportfreunden Söhre und dem ATSV Habenhausen kommt reichlich Erfahrung aus der höheren Spielklasse hinzu.
Der TV Bissendorf-Holte dürfte dabei besonders im Fokus stehen. Nach mehreren Jahren in der 3. Liga geriet die Mannschaft in der vergangenen Saison in einen Abwärtsstrudel. Trotzdem bestand bis zum letzten Spieltag die Chance auf den Klassenerhalt. Am Ende musste der TVB den Gang in die Regionalliga antreten. Personell hat der Abstieg allerdings nur wenige Spuren hinterlassen. Der Großteil des Drittliga-Kaders ist zusammengeblieben und auch Cheftrainer Timon Döring setzt seine Arbeit fort.
Auch die Sportfreunde Söhre mussten den Gang aus der 3. Liga antreten. Ähnlich wie in Bissendorf ist ein großer Teil des bisherigen Kaders erhalten geblieben.
Restart beim ATSV Habenhausen
Beim ATSV Habenhausen soll nach einer schwierigen Saison ein Neustart gelingen. Die Bremer steigten in der vergangenen Saison als Tabellenletzter aus der 3. Liga Nord-West ab. Während der Saison hatte es auch innerhalb des Vereins einige Unruhe gegeben.
Für die neue Spielzeit setzt Habenhausen nun auf viele bekannte Gesichter. Große Teile jener Mannschaft, die 2024 den Aufstieg aus der damaligen Oberliga Nordsee geschafft hatte, stehen wieder gemeinsam auf der Platte. Unter anderem kehrt Mo Sibahi von der HSG Varel zu seinem Heimatverein zurück. Auch Louis Beier steht nach einem Jahr wieder zur Verfügung. Spieler wie Paul Bonet, Fynn und Luc Schluroff und Philipp Holz bleiben dem ATSV ebenfalls erhalten.
Damit trifft in Habenhausen viel individuelle Qualität auf eine Mannschaft, deren Kern sich bereits seit Jahren kennt. An der Seitenlinie steht Thomas Krüger, der auf den innerhalb der Saison entlassenen Matthias Ruckh folgt.
Northeimer HC greift wieder oben an
Nicht nur die drei Absteiger bringen Qualität mit. Auch der Northeimer HC dürfte erneut eine interessante Rolle spielen. Northeim beendete die vergangene Saison auf dem dritten Tabellenplatz und hatte zwischenzeitlich noch die Möglichkeit, in das Rennen um den Aufstieg einzugreifen. In der entscheidenden Phase konnte der NHC seine Chance allerdings nicht nutzen.
Zur neuen Saison gibt es wenig Veränderungen. Der Kern der Mannschaft ist erhalten geblieben. Jedoch haben der ehemalige polnische Nationalspieler Mateusz Wrobel und Moritz Beltzer den Verein verlassen. Dennoch verfügt Northeim weiterhin über viel Qualität und hat in den vergangenen Jahren regelmäßig gezeigt, dass mit der Mannschaft zu rechnen ist. Für den SV Beckdorf kommt es bereits früh zum direkten Aufeinandertreffen. Am vierten Spieltag gastiert der Northeimer HC auf dem Delm. In den beiden letzten Heimspielen war der SVB jeweils siegreich – in Northeim setzte es zuletzt eine 30:35-Niederlage.
Viel Bewegung im breiten Mittelfeld
Noch schwieriger wird eine Prognose beim Blick auf das breite Feld dahinter. Bereits in der vergangenen Saison lagen zahlreiche Mannschaften über einen langen Zeitraum eng beieinander. Durch die zusätzliche Qualität der Drittliga-Absteiger könnte sich dieses Feld in der neuen Spielzeit noch weiter verdichten.
Der SV Alfeld gehört dabei zu den interessanten Mannschaften. Nach einer schwierigen ersten Saisonhälfte stabilisierte sich das Team im vergangenen Jahr. Während der Saison hatte es einen Wechsel auf der Trainerposition gegeben.
Für besondere Aufmerksamkeit sorgt nun die Rückkehr von Matteo Ehlers. Der 26-Jährige kommt von Eintracht Hildesheim zurück zu seinem Heimatverein. Für Alfeld ist seine Rückkehr ohne Frage eine besondere Personalie. Gleichzeitig muss die Mannschaft den Abgang von Rechtsaußen Sören Lange kompensieren, der in den vergangenen Jahren zu den auffälligsten Spielern auf seiner Position in der Regionalliga gehörte.
Oldenburg oben mit in der Verlosung
Auch der TvdH Oldenburg dürfte erneut eine gute Rolle spielen. Die Oldenburger beendeten die vergangene Saison auf dem vierten Tabellenplatz und überzeugten insbesondere vor heimischem Publikum. Personell gibt es ein paar Veränderungen. Spielmacher Simon Stöhr hat die Mannschaft ebenso in Richtung 3. Liga verlassen wie Rechtsaußen Jarne Hemken, den es nach Aurich zieht. Der Kern um Leonard Fischer und die Rohde-Zwillinge ist allerdings erhalten geblieben. Mit Finn Unger kehrt zudem ein gebürtiger Oldenburger von der TSG Altenhagen-Heepen Bielefeld zurück.
Der VfL Hameln geht nach einer guten ersten Regionalliga-Saison in sein zweites Jahr. Als Aufsteiger beendete die Mannschaft die vergangene Spielzeit auf dem achten Tabellenplatz und überzeugte insbesondere zu Hause. Mit Jannes Siegesmund und Kari Hauksson verfügt Hameln weiterhin über viel Torgefahr. Zusätzlich kommt mit Paul Mbanefo aus Vorsfelde Verstärkung für den Kreis.
Großer Umbruch in Vorsfelde und in Himmelsthür
Einen größeren Umbruch gibt es beim MTV Vorsfelde. Mit Peter Vincze, Jakob Nowak und Lasse Giese haben gleich mehrere prägende Rückraumspieler den Verein verlassen. Giese erzielte in der vergangenen Saison allein 236 Treffer und setzte sich damit hinter Leon Petersen die Torjäger-Krone auf.
Neu dabei sind unter anderem Lukas Friedhoff, der zuletzt in der 3. Liga in Braunschweig spielte,sowie Niklas Mühlenbruch vom ATSV Habenhausen. Trotz der zahlreichen Veränderungen hinterließ die neu formierte Mannschaft in der bisherigen Vorbereitung bereits einen eingespielten Eindruck.
Auch beim TuS Grün-Weiß Himmelsthür verändert sich der Kader. Besonders der Abgang von Justus Krummwiede, der in der vergangenen Saison 161 Treffer erzielte, hinterlässt eine Lücke. Mit Florian Most und seinen 120 Saisontoren bleibt allerdings ein wichtiger Leistungsträger erhalten.
Schaumburg kommt zum ersten Heimspiel
Am zweiten Spieltag wartet mit der HSG Schaumburg der erste Heimgegner auf „Beckys Patrouille“. Die Mannschaft von Trainer Timm Dietrich gehörte in der vergangenen Saison mit durchschnittlich 31,3 Treffern pro Partie zu den offensivstärkeren Teams der Liga.
Mit Haakon Wiebe und Niklas Mosch muss Schaumburg zwei Abgänge verkraften, hat den Kader aber unter anderem mit Niklas Apitz und dem Norweger Ole Einar Kaaterud ergänzt. Besonders Daniel Bruns und Fynn Graafmann bleiben wichtige Säulen. Beide gehörten in der vergangenen Saison zu den torgefährlichsten Spielern der Liga und wurden ins All-Star-Team gewählt.
Komplettiert wird das Teilnehmerfeld durch die HSG Rhumetal und den VfL Horneburg. Rhumetal setzte sich im Aufstiegsrennen der Oberliga Süd gegen den Lehrter SV durch und schaffte damit den Sprung in die Regionalliga. Die Mannschaft aus dem Landkreis Northeim gehört für Beckdorf zu den unbekannteren Gegnern der neuen Saison.
Kreis-Derby nach 18 Jahren
Für den VfL Horneburg setzt sich derweil eine bemerkenswerte Entwicklung fort. Nach dem Aufstieg aus der Verbandsliga gelang der Mannschaft direkt der nächste Schritt. Mit lediglich sieben Minuspunkten spielte Horneburg eine starke Oberliga-Saison und sicherte sich den Durchmarsch in die Regionalliga. An der Seitenlinie übernimmt Stefan Hagedorn.
Damit ist der VfL erstmals seit vielen Jahren wieder auf derselben Ligaebene wie der SV Beckdorf vertreten. Mit dem Aufstieg bekommt die Regionalliga nicht nur einen weiteren Verein aus dem Landkreis Stade, sondern auch ein traditionsreiches Nachbarschaftsduell zurück. Auf das erste direkte Duell müssen beide Vereine nicht lange warten. Am 24. Oktober empfängt der SV Beckdorf den VfL Horneburg auf dem Delm. Nach 18 Jahren kommt es damit erstmals wieder zu einem Ligaderby zwischen beiden Mannschaften. Zehnmal standen sich Beckdorf und Horneburg bislang gegenüber, einen Sieg des VfL gab es dabei noch nicht.
SVB geht mit breiterem Kader in die Saison
Auch beim SVB hat sich über den Sommer einiges getan. Im Vergleich zur vergangenen Saison steht Trainer Robert Frahm ein breiterer Kader zur Verfügung. Mit Kristers Plume wurde zuletzt auch die noch offene Position auf Rechtsaußen besetzt. Der 25-jährige Lette bringt als fünfmaliger lettischer Meister, mehrfacher Pokalsieger und Sieger der Baltic Handball League internationale Erfahrung mit.
Hinter „Beckys Patrouille“ liegt eine Vorbereitung mit unterschiedlichen Eindrücken. Gegen die U23 des Handball Sport Verein Hamburg unterlag der SVB auf dem Delm mit 30:35. Wenige Tage später folgte beim 41:20 gegen den Oberligisten SG Bremen-Ost ein deutlicher Erfolg. Beim anschließenden Auswärtstest in Fredenbeck geriet Beckdorf deutlich unter die Räder.
Gegen den Drittligisten HSG Varel setzte sich der SVB mit 39:37 durch und konnte dabei noch einmal Selbstvertrauen sammeln. Am kommenden Freitag wartet mit dem TuS Rotenburg die Generalprobe.
Zum Auftakt wartet Cloppenburg
Der erste Prüfstein hat es direkt in sich. Am 5. September gastiert der SV Beckdorf beim TV Cloppenburg. Der TVC hatte sich bereits während der Rückrunde der vergangenen Saison stabilisiert und geht mit einem in Teilen veränderten Kader in die neue Spielzeit. Einige Positionen wurden neu besetzt. Dazu gehören auch junge Spieler aus den Niederlanden. Der Kern der Mannschaft ist allerdings weiterhin vorhanden. Gerade das Zusammenspiel um Spielmacher Dejan Karan sowie Rückraumspieler Daniel Schanikau funktionierte in der zweiten Hälfte der vergangenen Saison immer besser.
Dass Beckdorf dort bestehen kann, hat die Mannschaft in der jüngeren Vergangenheit gezeigt. Die vergangenen beiden Auswärtsspiele beim TVC konnte der SVB gewinnen. Ein Selbstläufer lässt sich daraus für den ersten Spieltag allerdings nicht ableiten. Vielmehr dürfte bereits diese Begegnung exemplarisch für das stehen, was Beckdorf in den kommenden Monaten erwartet. Am 5. September geht es endlich wieder um Punkte.