Acht Siege, zwei Unentschieden und 18 Jahre Pause. Wenn der SV Beckdorf am kommenden Samstag beim VfL Horneburg antritt, lebt ein Stück Handballgeschichte aus dem Landkreis Stade wieder auf. Für die heutige Mannschaft, die seit dem großen Umbruch 2022 unter dem Namen „Beckys Patrouille“ aufläuft, ist es das erste Derby gegen den Nachbarn. Nach der deutlichen Heimniederlage gegen Sportfreunde Söhre will das Team von Trainer Robert Frahm eine Reaktion zeigen und sein Punktekonto wieder ausgleichen.
Das Topspiel des 7. Spieltages
Es ist eine Begegnung, die lange auf sich warten ließ. Während sich der SV Beckdorf und der VfL Fredenbeck in den vergangenen Jahren immer wieder packende Landkreisderbys lieferten (letztes Duell im Januar 2025 endete 30:29 für Fredenbeck) war das Duell mit Horneburg beinahe in Vergessenheit geraten. Zuletzt standen sich beide Vereine im Januar 2008 in einem Pflichtspiel gegenüber. Damals setzte sich der SVB knapp mit 28:27 durch. Wer in die Geschichtsbücher schaut, entdeckt eine bemerkenswerte Bilanz. Zehnmal trafen Beckdorf und Horneburg bislang aufeinander, achtmal ging der SVB als Sieger vom Feld. Die übrigen beiden Begegnungen endeten unentschieden. Einen Pflichtspielsieg gegen Beckdorf konnte Horneburg bislang noch nicht feiern.
Doch hinter diesen Zahlen steckt mehr als eine sportliche Statistik. Die Derbys der damaligen Zeit waren geprägt von vollen Hallen, intensiven Zweikämpfen und einer besonderen Atmosphäre. Beide Vereine kannten sich bestens, auf und neben der Platte.
Auch deshalb hatten diese Begegnungen im Landkreis einen besonderen Stellenwert. Bei aller sportlichen Rivalität gehörte der gegenseitige Respekt stets dazu. Seit dem letzten Duell hat sich im regionalen Handball einiges verändert. Während Beckdorf über viele Jahre in den höheren Spielklassen vertreten war und sich zuletzt vor allem mit Fredenbeck um die sportliche Vorherrschaft im Landkreis duellierte, arbeitete sich Horneburg Schritt für Schritt nach oben. Der jüngste Durchmarsch über die Oberliga bis in die Regionalliga macht das Aufeinandertreffen nun wieder möglich.
Beckdorfer Mannschaft mit neuer Identität
Auch beim SV Beckdorf hat sich seit 2008 vieles verändert. Nach einem großen personellen Umbruch im Jahr 2022 wurde mit „Beckys Patrouille“ ein neues Kapitel aufgeschlagen. Die heutige Mannschaft hat mit den Derby-Erfolgen von damals personell kaum noch etwas gemeinsam. Die Geschichte des Vereins führt sie dennoch fort. 18 Jahre nach dem letzten Aufeinandertreffen beginnt damit nicht einfach die Fortsetzung einer alten Rivalität. Es ist auch das erste Derby einer neuen Beckdorfer Generation. Auch die Familie Jonas verbindet Vergangenheit und Gegenwart: Sven „Titus“ Jonas lieferte sich einst im Beckdorfer Trikot packende Derbys mit Horneburg. Heute steht mit seinem Sohn Tjark die nächste Generation für den SVB auf der Platte. Ein Kreis, der sich nach 18 Jahren auf besondere Weise schließt.
Alte Bekannte auf beiden Seiten
Dass sich die beiden Vereine trotz der langen Derby-Pause nie ganz aus den Augen verloren haben, zeigt ein Blick auf die aktuellen Mannschaften. Zahlreiche persönliche Verbindungen machen das Wiedersehen besonders.
Allen voran steht Torhüter Dennis Klingebiel, der noch in der vergangenen Saison das Beckdorfer Trikot trug. Der Schlussmann gehörte zu den stärksten Torhütern der vergangenen Regionalliga-Saison und wurde in das Allstar-Team des Handballverbandes Niedersachsen-Bremen gewählt. Am Samstag steht er erstmals in einem Pflichtspiel gegen seine ehemaligen Mannschaftskameraden auf der Platte.
Mit Jannik Brümmer-Herz und Raik Seichter stehen zudem zwei weitere Spieler im Horneburger Kader, die in der Saison 2023/24 zum erweiterten Aufgebot von Beckys Patrouille gehörten und regelmäßig am Training teilnahmen.
Eine weitere Verbindung reicht sogar bis in die Kindheit zurück. Beckdorfs Linksaußen Lukas Fürste und Horneburgs Lasse Heidmann standen bereits beim MTV Wisch gemeinsam auf der Platte. Während Fürstes Weg später über den Buxtehuder SV und den HSV Hamburg nach Beckdorf führte, entwickelte sich Heitmann in Horneburg weiter. Nun treffen die ehemaligen Jugendmitspieler erstmals in einem Pflichtspiel aufeinander.
Es sind Geschichten wie diese, die dem Derby seinen besonderen Charakter verleihen. Man kennt sich, man schätzt sich und am Samstag stehen sich die ehemaligen Weggefährten als Gegner gegenüber.
Beckdorf will nach Söhre-Pleite Reaktion zeigen
Sportlich reist Beckys Patrouille mit einer klaren Aufgabe nach Horneburg. Nach sechs Spieltagen steht die Mannschaft mit 5:7 Punkten im Tabellenmittelfeld. Besonders die deutliche 26:38-Heimniederlage gegen Sportfreunde Söhre hat zuletzt gezeigt, woran der SVB noch arbeiten muss.
Dabei war es weniger die Niederlage gegen einen der großen Aufstiegsfavoriten, die für Enttäuschung sorgte, sondern vielmehr die Art und Weise, wie die Partie nach einer ordentlichen ersten Halbzeit aus der Hand gegeben wurde. Ein halbzeitübergreifender 7:0-Lauf der Gäste hatte das Spiel innerhalb weniger Minuten entschieden. Ähnliche Schwankungen hatte Beckdorf bereits in den vergangenen Wochen gezeigt. Sowohl gegen Northeim als auch beim Auswärtssieg in Alfeld wechselten sich starke Phasen mit unnötigen Fehlern und schwächeren Abschnitten ab. Im Derby wird es deshalb vor allem darauf ankommen, über die gesamte Spielzeit konzentriert aufzutreten.
Mut macht dabei die bisherige Auswärtsbilanz. Während Beckdorf auf dem Delm noch auf die ersten Punkte wartet, ist die Mannschaft in fremden Hallen weiterhin ungeschlagen. Auf das 26:26 zum Saisonauftakt in Cloppenburg folgten Siege in Hameln (30:23) und Alfeld (36:34). Diese Serie soll möglichst auch am Samstag Bestand haben.
Der VfL Horneburg hat sich nach seinem Durchmarsch in die Regionalliga bislang ordentlich in der neuen Spielklasse behauptet. Mit 6:6 Punkten steht die Mannschaft von Trainer Stefan Hagedorn einen Zähler vor dem SVB.
Die bisherigen drei Siege feierte Horneburg gegen Schaumburg, Hameln und Alfeld. Niederlagen gab es dagegen gegen Northeim, Söhre und zuletzt Bissendorf-Holte. Damit haben die Gastgeber bereits einige der stärksten Mannschaften der Liga hinter sich. Besonders auffällig ist das hohe Tempo, mit dem die junge Mannschaft agiert. Horneburg sucht immer wieder den schnellen Abschluss und verfügt über technisch gut ausgebildete Spieler, die vor allem im Umschaltspiel gefährlich werden können. Für Beckdorf wird es deshalb entscheidend sein, eigene Ballverluste zu vermeiden und die Gastgeber möglichst häufig ins Positionsspiel zu zwingen.
Auch das Stader Tageblatt hat die Rollen vor dem Landkreisderby bereits klar verteilt. Trotz der jüngsten Niederlage gegen Bissendorf-Holte schreibt die Zeitung über den VfL Horneburg: „Sie sind Favorit im Derby am Samstag, 24. Oktober, ab 17 Uhr in Horneburg.“
Eine Einschätzung, mit der Beckys Patrouille durchaus leben kann. Schließlich hat die Mannschaft von Trainer Robert Frahm in dieser Saison bereits mehrfach gezeigt, dass sie auswärts schwierige Aufgaben lösen kann. In Cloppenburg, Hameln und Alfeld blieb der SVB bislang ungeschlagen. Diese Serie soll auch am Samstag Bestand haben. Während die Gastgeber ihren Vorsprung in der Tabelle ausbauen wollen, bietet sich dem SVB die Gelegenheit, mit einem Sieg vorbeizuziehen und gleichzeitig das eigene Punktekonto wieder auszugleichen.
Nach dem spielfreien Wochenende richtet sich der Blick nun vollständig auf das Landkreisderby. Für Beckdorf bietet die Begegnung die Gelegenheit, die jüngste Niederlage hinter sich zu lassen und mit einem Auswärtssieg wieder ein ausgeglichenes Punktekonto herzustellen.
Die Voraussetzungen für einen besonderen Handballnachmittag sind gegeben. Nach 18 Jahren Pause treffen beide Vereine wieder in einem Pflichtspiel aufeinander, zahlreiche bekannte Gesichter stehen sich gegenüber und auch sportlich verspricht die Begegnung einiges.
Anpfiff ist am Samstag, 24. Oktober, um 17 Uhr in der Sporthalle Hermannstraße in Horneburg.