Der SV Beckdorf bleibt auch nach 18 Jahren ohne Pflichtspielniederlage gegen den VfL Horneburg. Vor rund 500 Zuschauern setzte sich Beckys Patrouille am Samstag mit 25:28 (9:12) beim Aufsteiger durch und feierte damit zugleich das vierte ungeschlagene Auswärtsspiel in Folge. Mit einer starken Abwehr, deutlich weniger technischen Fehlern und einem konsequent umgesetzten Matchplan bestimmte die Mannschaft von Trainer Robert Frahm das Landkreisderby über weite Strecken.
18 Jahre waren seit dem letzten Aufeinandertreffen vergangen, doch an der historischen Bilanz hat sich nichts geändert. Auch im elften Pflichtspiel gegen den VfL Horneburg blieb der SV Beckdorf ungeschlagen. Nach zuvor acht Siegen und zwei Unentschieden konnte der SVB nun den neunten Derbyerfolg verbuchen. Gleichzeitig setzte „Beckys Patrouille“ ihre bemerkenswerte Auswärtsserie in der laufenden Regionalliga-Saison fort.
Nach dem Unentschieden in Cloppenburg und den Siegen in Hameln und Alfeld behielt die Mannschaft von Robert Frahm auch in Horneburg die Oberhand. Und das ausgerechnet in einem Derby, für das die Rollen im Vorfeld vermeintlich klar verteilt waren. Das Stader Tageblatt hatte Horneburg zum Favoriten erklärt. Auf der Platte präsentierte sich jedoch Beckdorf als die reifere, körperlich robustere und über weite Strecken spielbestimmende Mannschaft.
Weniger Fehler, mehr Kontrolle
Schon vor dem Anpfiff war die besondere Bedeutung dieser Begegnung zu spüren. Rund 500 Zuschauer hatten sich in der Horneburger Sporthalle eingefunden, darunter knapp 50 mitgereiste Beckdorfer Anhänger. Die besondere Kulisse sorgte zunächst auf beiden Seiten für Nervosität. Beckdorf ging mit 1:0 in Führung, Horneburg legte nach. Entscheidend dabei war eine deutliche Verbesserung gegenüber den vergangenen Wochen. Hatte sich Beckys Patrouille zuletzt immer wieder durch technische Fehler und überhastete Abschlüsse selbst in Schwierigkeiten gebracht, agierte die Mannschaft diesmal wesentlich konzentrierter. Damit ging auch der Matchplan von Robert Frahm auf.
Der VfL, der seine Stärken vor allem im schnellen Umschaltspiel und der zweiten Welle besitzt, kam kaum zu einfachen Toren. Stattdessen zwang Beckdorf die Gastgeber immer wieder in den Positionsangriff. Dort wartete eine kompakte, körperlich präsente Defensive, gegen die sich die jungen Horneburger zunehmend aufrieben. Immer wieder suchten sie die Eins-gegen-eins-Situationen, fanden gegen die Beckdorfer Abwehrspieler aber nur selten ein Durchkommen. Ein wichtiger Faktor war dabei ein doppelter Angriff-Abwehr-Wechsel. Während im Angriff insbesondere Joscha Jolitz, Leonard Klein und Leon Petersen für Tore sorgten, machten defensiv Enno Bayer, Tim Fock, Tim Benner und Paul Witte hinten dicht.
Torhüter liefern sich ein besonderes Duell
Auch zwischen den Pfosten hatte das Derby eine besondere Geschichte zu bieten. Auf Beckdorfer Seite stand Markus Clever, ihm gegenüber der ehemalige SVB-Torhüter Dennis Klingebiel, der noch in der vergangenen Saison das Beckdorfer Trikot getragen hatte. Beide Schlussmänner erwischten einen starken Nachmittag und zeichneten sich mit wichtigen Paraden aus. Clever gab seiner Mannschaft insbesondere in der ersten Halbzeit den nötigen Rückhalt. Klingebiel wiederum verhinderte mit zahlreichen Rettungsaktionen, dass Beckdorf bereits früh deutlicher davonziehen konnte. Mit einer 9:12-Führung ging es in die Pause.
Nach dem Seitenwechsel knüpfte Beckys Patrouille zunächst nahtlos an die Leistung der ersten Halbzeit an. Die Defensive blieb stabil, im Angriff agierten die Gäste mit Tempo und Entschlossenheit. Immer wieder gelang es den Beckdorfern, Lücken in der Horneburger Deckung zu finden und diese konsequent zu nutzen. Allen voran Jolitz erwischte einen starken Tag. Mit seiner Dynamik und Schnelligkeit stellte er die gegnerische Abwehr immer wieder vor Probleme und war mit sieben Treffern erfolgreichster Beckdorfer Torschütze. Auch Petersen überzeugte mit sechs Toren. Beim 26:18 in der 52. Minute war Beckdorf auf acht Treffer davongezogen. Die Vorentscheidung schien gefallen.
Horneburg kämpft, Beckdorf behält die Nerven
Ganz ohne Schwierigkeiten sollte die Schlussphase allerdings nicht verlaufen. Rund zehn Minuten vor dem Ende musste Beckdorfs Spielmacher Leonard Klein nach einem Foul mit Schulterschmerzen vom Feld. Sein Ausfall machte sich im Angriffsspiel bemerkbar, dem nun die zuvor vorhandene Struktur fehlte. Gleichzeitig setzte Horneburg alles auf eine Karte. Mit einer offensiven Manndeckung versuchten die Gastgeber, den Rückstand noch einmal zu verkürzen. Tatsächlich gelang es ihnen, mehrere Ballverluste zu erzwingen und sich Tor um Tor heranzukämpfen.
Beckdorf leistete sich in dieser Phase deutlich mehr technische Fehler als zuvor. Doch der zwischenzeitliche Acht-Tore-Vorsprung erwies sich als ausreichend. Auch wenn Horneburg bis zum Schluss kämpfte und noch auf drei Treffer verkürzen konnte, ließ sich Beckys Patrouille den verdienten Derbysieg nicht mehr nehmen. Nach 60 Minuten stand ein 28:25-Erfolg auf der Anzeigetafel.
Mit dem Sieg bestätigt Beckdorf nicht nur die eigene Auswärtsstärke, sondern zeigt auch die erhoffte Reaktion auf die deutliche Heimniederlage gegen Sportfreunde Söhre. Anders als in den vergangenen Wochen gelang es diesmal, die eigenen Fehler über weite Strecken zu minimieren und eine Führung konsequent auszubauen. Mit 7:7 Punkten zieht Beckdorf in der Tabelle am Nachbarn vorbei, der nach sieben Spieltagen bei 6:8 Punkten steht.
Nächste Herausforderung wartet auf dem Delm
Viel Zeit zum Feiern bleibt „Beckys Patrouille“ allerdings nicht. Bereits am kommenden Samstag wartet mit dem TV Bissendorf-Holte die nächste anspruchsvolle Aufgabe. Der Drittliga-Absteiger zählt zu den stärksten Mannschaften der Regionalliga und hat in dieser Saison bislang erst eine Niederlage hinnehmen müssen. Für Beckdorf wird es damit erneut darauf ankommen, an die konzentrierte Leistung aus dem Derby anzuknüpfen.
Eine besondere Aufgabe wartet dabei weiterhin vor heimischem Publikum. Während Beckdorf auswärts ungeschlagen ist, stehen auf dem Delm nach drei Heimspielen noch keine Punkte zu Buche. Das soll sich möglichst bald ändern.
Anpfiff gegen den TV Bissendorf-Holte ist am Samstag, 31. Oktober, um 19 Uhr in der Sporthalle auf dem Delm.